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Markierungen

Ein weiteres Störpotential geht von Fahrbahnmarkierungen aus, wobei zwischen Strukturmarkierungen (mit Quarzsand versetzte, strukturierte Markierungen) und reinen Farbmarkierungen zu unterscheiden ist. Strukturmarkierungen bieten gegenüber den Farbmarkierungen Vorteile bezüglich Sichtbarkeit und Haftung bei Nässe. Ausserdem sind reine Farbmarkierungen weniger widerstandsfähig und müssen früher ersetzt werden.

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Bild einer Strukturmarkierung (links) und einer Farbmarkierung (rechts) auf einem leisen Strassenbelag im Kanton Aargau (Quelle: (Egger, Bühlmann and Gloor, 2017)1

Erfahrungen haben jedoch gezeigt, dass Strukturmarkierungen vor allem auf neuen SDA 4 Belägen zu Klagen von Anwohnern führen können, da diese hörbare Pegelzunahmen und Frequenzverschiebungen verursachen. Messungen mit dem CPX-Verfahren zeigen, dass sich die Reifen-Fahrbahn-Geräusche um bis zu 5-6 dB(A) erhöhen können. Reine Farbmarkierungen hingegen führen kaum zu einer Veränderung der Reifen-Fahrbahn-Geräusche. Dabei ist zu beachten, dass nicht alle Markierungen gleich relevant für die Lärmentstehung sind. Je häufiger eine Markierung überfahren wird, desto relevanter ist sie für die Lärmentstehung. So werden Fussgängerstreifen oder Bushaltestellenmarkierungen von jedem Fahrzeug überfahren und sind demnach relevanter als z.B. der Mittelstreifen, der nur sporadisch überfahren wird.

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Verschiedene Markierungen und deren Relevanz für die Lärmentstehung

Auf SDA-Belägen sollten deshalb unter Abwägung der Sicherheitsanforderungen sowie der Relevanz für die Lärmentstehung, wenn möglich, Farbmarkierungen den Strukturmarkierungen vorgezogen werden. 

Im Kanton Aargau wird dies bereits umgesetzt, indem Strukturmarkierungen auf SDA-Belägen lediglich in sicherheitsrelevanten Situationen wie Fussgängerstreifen und Mittelmarkierungen verwendet werden. Alle weiteren Markierungen werden als reine Farbmarkierungen umgesetzt. 

Im Rahmen einer 2025/2026 durchgeführten Studie wurden die akustischen Auswirkungen der drei Markierungs-Typen auf SDA Belägen im Kanton Aargau untersucht. 

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Abbildung 1: Bild einer Strukturmarkierung (links), einer aufgelegten Kaltplastik-Markierungen (Mitte) und einer aufgespritzten Kaltplastik-Markierung (rechts) auf einem leisen Strassenbelag im Kanton Aargau (Quelle: Grolimund+ Partner AG)

Im Vergleich zu aufgelegter und gespritzter Kaltplastik-Markierung haben Strukturmarkierungen einen deutlich negativeren Einfluss auf die Akustik. Zwischen den Markierungstypen „Kaltplastik gespritzt“ und „Kaltplastik aufgelegt“ bestehen akustisch keine wesentlichen Unterschiede. Bei besonders leisen Belägen, definiert durch einen Belagsgütewert im Mischverkehr von −4,0 dB(A) oder weniger, können auch diese Markierungen die Akustik negativ beeinträchtigen, wobei der Effekt geringer ausfällt als bei klassischen Strukturmarkierungen.

In bestimmten Situationen kann es vorkommen, dass Markierungen leiser als der Belag selbst ausfallen. Dies lässt sich durch zwei zentrale Lärmentstehungsmechanismen erklären: Zum einen wird der Reifen durch die Oberflächentextur und die Hohlraumzugänglichkeit des Belags angeregt. Bei der Applikation einer Markierung wird die Oberflächentextur geglättet, wodurch der Vibrationsschall reduziert und der Gesamtlärm verringert wird. Zum anderen führt die Markierung zu einer Einschränkung der Hohlraumzugänglichkeit, was tendenziell eine Lärmzunahme bewirken kann. Ob eine Markierung letztlich leiser oder lauter als der Belag erscheint, hängt daher entscheidend vom Zustand des Belags ab.

Mit zunehmendem Alter des Belags nimmt die Hohlraumzugänglichkeit ab, während die Oberfläche vermehrt Kornausbrüche und hervorstehende Kornspitzen aufweist. Auf älteren Belägen wirkt die Markierung daher glättend, wodurch eine positive akustische Wirkung erzielt wird.

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Einfluss der drei Markierungs-Typen auf SDA Belägen mit unterschiedlicher akustischen Belagswirkung (Quelle: Grolimund + Partner AG)

Ergebnis der Studie: Auf SDA Belägen sollten unter Abwägung der Sicherheitsanforderungen sowie der Relevanz für die Lärmentstehung, wenn möglich, aufgelegte bzw. aufgespritzte Kaltplastik-Markierungen den Strukturmarkierungen vorgezogen werden. 


1 Egger, S., Bühlmann, E. and Gloor, H. (2017) ‘Kritische Faktoren für den erfolgreichen Einsatz lärmarmer Beläge im Innerortsbereich Kritische Faktoren’, Conference Proceedings DAGA 2017, pp. 619–622